Es gibt eine Stunde am Morgen — meist zwischen halb acht und neun — da gehört Valldemossa noch sich selbst. Die Reisebusse aus Palma sind dann noch nicht da. Die Souvenirläden öffnen erst um zehn. Auf der Plaza Pública sitzen drei alte Männer und reden über Olivenpreise, und die Cafés haben das Licht noch nicht ganz angemacht, weil sie nicht müssen.
Dies ist die Zeit, in der das Dorf das ist, was es immer war: ein Ort in der Serra de Tramuntana mit eintausendzweihundert Einwohnern, einem alten Kartäuserkloster und einer Aussicht, die so ist, dass Frédéric Chopin und George Sand 1838 hierher kamen, um den Winter zu verbringen. (Und der ihnen, falls man Sand glauben darf, gar nicht gefiel — aber dazu später.)
Wie du hinkommst, ohne im Stau zu stehen
Von Palma aus sind es 17 Kilometer. Mit dem Auto: die Ma-1110 nehmen, die ist die direktere und auch die schönere Strecke, weil sie sich durch die Hügel windet und die Landschaft öffnet, sobald du Esporles hinter dir hast. Rechne mit 30 Minuten, wenn du vor sieben losfährst. Nach acht: 50 Minuten plus Parkplatzsuche.
Mein Tipp: nicht vor neun versuchen, einen der zentralen Parkplätze zu finden. Stattdessen nimm den großen öffentlichen Parkplatz am Ortseingang (Aparcamiento de Valldemossa, 3 Euro pauschal) und geh die fünf Minuten zu Fuß ins Zentrum. Du wirst sowieso laufen wollen.
Mit dem Bus geht es auch: Linie 203 von der Estación Intermodal in Palma. Dauert 35 Minuten, kostet 2 Euro. Fährt etwa stündlich. Vorteil: kein Parken. Nachteil: du bist an die Rückfahrt gebunden, und der letzte Bus zurück fährt um 19:30 Uhr.
Was du als Erstes machen solltest
Geh nicht ins Kloster. Noch nicht. Geh in die Calle Bauzá de Mirabó, das ist die Gasse links der Hauptstraße, und folge ihr nach oben, bis du bei Can Molinas bist. Dort gibt es die coca de patata — das traditionelle Hefebrötchen aus Valldemossa, mit Kartoffeln im Teig, federleicht und außen leicht süß. Eine kostet 1,50 Euro. Iss sie warm, mit einem Café cortado, am besten draußen auf einer der zwei Holzbänke, die nach dem Tal hin offen sind.
Das ist kein Geheimtipp — Can Molinas existiert seit 1920 und steht in jedem zweiten Reiseführer. Aber es ist trotzdem gut, weil die Brötchen wirklich am Morgen frisch sind und weil das Kalkül stimmt: günstig, ehrlich, immer noch in Familienhand.
Das Kloster — gehen oder nicht?
Das ehemalige Kartäuserkloster (Real Cartuja) ist die Hauptattraktion und auch der Grund, warum die meisten Tagestouristen kommen. 11 Euro Eintritt, geöffnet von 9:30 bis 16:30 Uhr. Drinnen: die ehemaligen Mönchszellen, eine Apotheke aus dem 17. Jahrhundert, und die zwei Räume, in denen Chopin und George Sand drei Wintermonate verbrachten — zusammen mit Sands zwei Kindern, ihrer Köchin, und Chopins Pleyel-Klavier, das seitlich an die Wand gestellt ist und nicht mehr klingt.
Die ehrliche Antwort: ja, geh hin, aber nur wenn du dich wirklich für Chopin oder Klosterarchitektur interessierst. Die Atmosphäre ist nicht das, was sie einmal war — zu viele Schautafeln, zu viel Audioguide-Plastik. Die Akustik in der Kirche ist allerdings beachtlich, und wenn du Glück hast, übt gerade jemand am Klavier in einer der Zellen.
Wenn du nicht reingehst: setz dich stattdessen in den Klostergarten (Eintritt frei) und schau auf die Tramuntana.
Was George Sand wirklich schrieb
George Sand schrieb nach ihrer Rückkehr nach Frankreich ein Buch über den Aufenthalt: Un hiver à Majorque — Ein Winter auf Mallorca, 1842. Es ist großartig und gemein zugleich. Sie beschwert sich über die Mallorquiner (“rückständig”, “abergläubisch”, “schmutzig”), über das Wetter, über die Einrichtung. Die Insel hat ihr das nie ganz verziehen — bis heute steht in jedem mallorquinischen Reiseführer der Hinweis, dass Sand “nicht gerade freundlich” über die Einheimischen geschrieben habe.
Es lohnt sich trotzdem zu lesen, weil die Beschreibungen der Tramuntana-Landschaft so präzise sind, dass man die Zypressen riechen kann. Eine deutsche Übersetzung gibt es in jeder anständigen Buchhandlung in Palma, etwa bei Drac Màgic oder Lorca.
Drei Stellen für den richtigen Ausblick
Valldemossa hat mehrere Aussichtspunkte, von denen drei besonders sind:
Mirador de Ses Puntes — wenn du aus dem Dorf kommst, biegst du beim Aparcamiento links ab und folgst der Beschilderung 800 Meter. Steiler Anstieg, aber überschaubar. Oben hast du den klassischen Postkartenblick auf das Dorf mit den Steindächern und dem Klosterturm im Vordergrund, dahinter das Tal.
Mirador de Son Marroig — sieben Kilometer weiter Richtung Deià, an der Hauptstraße. Eigentlich ein altes Herrenhaus mit Garten und Tempel-Pavillon (Eintritt 4 Euro). Der Blick aufs Mittelmeer und auf die kleine Felseninsel Sa Foradada ist einer der bekanntesten der Insel — und einer der wenigen, die das Klischee tatsächlich einhalten.
Plaça de la Cartoixa — der Platz direkt vor dem Kloster. Klingt banal, ist aber zur richtigen Tageszeit (kurz vor 9 Uhr morgens, wenn das Licht von hinten kommt) der schönste Ort des ganzen Dorfes.
Wo du essen solltest, wenn du bleibst
Wenn du bis zum Mittag oder Nachmittag bleiben willst, sind das meine zwei Empfehlungen:
Quitapesares — kleine Bar in einer Seitengasse (Carrer de la Marquesa, gleich hinter der Kirche). Tapas, ein paar einfache Hauptgerichte, hauptsächlich für Locals. Kein Touristen-Menü, keine englische Karte, freundlich aber nicht aufdringlich. Mittagsmenü 14 Euro.
Es Port — etwas außerhalb, im kleinen Hafen Port de Valldemossa, sechs Kilometer Serpentinen runter zur Küste. Wer dorthin fährt, sollte sich Zeit lassen — die Straße ist eng. Belohnung: ein winziger Hafen mit drei Restaurants und glasklarem Wasser. Es Port serviert frischen Fisch, Hauptgang ab 22 Euro.
Wenn du noch eine Stunde hast
Geh den Camino del Archiduque hinauf — den Wanderweg, den Erzherzog Ludwig Salvator von Österreich Ende des 19. Jahrhunderts anlegen ließ. Vom Dorf aus beschildert, drei Kilometer steil bergauf, am Ende stehst du auf einer Plattform mit Blick aufs ganze westliche Tramuntana-Massiv. Hin und zurück 90 Minuten. Festes Schuhwerk.
Salvator selbst — Cousin von Kaiser Franz Joseph, naturverliebter Eigenbrötler, der die Hälfte der Tramuntana-Küste aufkaufte und so vor Spekulanten rettete — verdient eigene Erwähnung. Aber das ist eine andere Geschichte, für einen anderen Vormittag.
Wenn du am Ende des Tages unten in Palma wieder ankommst und dich das Meer noch ruft: vom Hafen aus starten verschiedene Bootsausflüge entlang der Westküste, manche bis Sa Foradada. Eine angenehme Möglichkeit, die Steilküste, die du oben vom Mirador gesehen hast, vom Wasser aus zu sehen — die meisten Touren legen vormittags ab und sind nachmittags zurück.
Aber das ist wirklich Bonus. Valldemossa allein reicht für einen vollen Vormittag, und wenn du es richtig anfängst, ist es einer der schönsten Vormittage, die Mallorca dir geben kann.