Routen

Tramuntana im Herbst — drei Routen, die du gerade jetzt gehen solltest

Oktober und November sind die besten Wandermonate auf Mallorca. Hier sind drei Tagesrouten, die im Sommer unmöglich, im Frühling überlaufen und im Winter geschlossen sind — aber jetzt perfekt.

Wanderpfad durch alte Olivenhaine in der Serra de Tramuntana
Foto: Marius Mann / Pexels

Die Serra de Tramuntana — UNESCO-Weltkulturerbe seit 2011 — ist im Sommer fast unbenutzbar. Über 35 Grad in der Sonne, kein Schatten auf den meisten Hochwegen, Wassermangel in den Quellen. Im Winter wird sie an manchen Tagen schwierig: Schneefall am Puig Major (über 1400 m), die Nordwestseite kann tagelang im Nebel hängen.

Aber zwischen September und November — und ähnlich gut März bis Mai — ist sie eines der besten Wanderreviere Europas. Die Temperaturen liegen tagsüber bei 18 bis 24 Grad, das Licht ist klar, die Bergdörfer sind leer, weil die Sommertouristen weg sind und die Winterurlauber noch nicht da.

Hier sind drei Tagesrouten, die ich besonders mag. Alle drei sind keine Hochgebirgstouren — du brauchst keine Klettererfahrung, kein Seil, keine Eispickel. Aber du brauchst feste Schuhe, Wasser, einen Hut, eine ehrliche Selbsteinschätzung deiner Kondition. Und einen frühen Start.

Route 1: Camí de s’Arxiduc (Valldemossa-Schleife)

Distanz: 14 km Rundweg Höhenmeter: 700 m hoch, 700 m runter Dauer: 5-6 Stunden inkl. Pausen Schwierigkeit: mittel

Erzherzog Ludwig Salvator von Österreich — wir hatten ihn schon mal in einem anderen Beitrag — ließ Ende des 19. Jahrhunderts diesen Weg anlegen, damit er bequem die Tramuntana-Bergrücken oberhalb seines Anwesens Son Marroig erreichen konnte. Heute ist es einer der bekanntesten und einer der schönsten Wanderwege der Insel, und im Herbst geht er problemlos an einem Tag.

Start: Valldemossa, Parkplatz am Ortsausgang Richtung Norden. Vor sieben da sein.

Routenverlauf: Du folgst der Beschilderung „Es Caragoli” / „Mirador de ses Puntes” raus aus dem Dorf, dann steil bergauf durch Steineichenwälder. Nach 90 Minuten erreichst du den ersten Aussichtspunkt — der Blick aufs Meer und auf die Felseninsel Sa Foradada. Weiter dem Bergrücken folgend, in stetiger leichter Steigung, kommst du am Pla de sa Serp vorbei (1006 m) und am Es Cairats (940 m). Auf dem Rückweg führt der Pfad durch eine wilde Schlucht zurück nach Valldemossa.

Wo es schwierig wird: der Aufstieg in den ersten 90 Minuten. Steinige, oft glatte Stufen. Wer nicht trittsicher ist, sollte hier vorsichtig sein.

Wo es schön wird: auf dem Bergrücken zwischen Es Caragoli und dem Pla de sa Serp. Du hast links das Mittelmeer in 800 Metern Tiefe, rechts die Innenebene Mallorcas, und vor dir die ganze Westkette der Tramuntana.

Wo du isst: unterwegs gibt es nichts. Nimm Brot, Käse, Obst mit. Zurück in Valldemossa: Quitapesares (siehe meinen Beitrag über Valldemossa).

Route 2: Sóller — Cala Deià über den Camí de Castelló

Distanz: 9 km einfach (oder 18 km hin und zurück) Höhenmeter: 350 m hoch, 600 m runter Dauer: 3,5-4 Stunden einfach Schwierigkeit: leicht bis mittel

Diese Route hat etwas, das die anderen nicht haben: am Ende kannst du im Meer schwimmen.

Start: Plaça de la Constitució in Sóller. Mit der historischen Holzeisenbahn aus Palma erreichbar (eine schöne Anreise an sich, 1 Stunde, 25 Euro hin und zurück, fährt mehrmals täglich) oder mit dem Auto.

Routenverlauf: Du verlässt Sóller in Richtung Süden, folgst dann der Beschilderung „Camí Vell de Sóller” und „Castelló”. Der Pfad führt durch Olivenhaine, an alten Steinmauern entlang, mit ständigem Blick aufs Meer. Nach drei Stunden moderaten Wanderns erreichst du das Bergdorf Deià — das ehemalige Künstlerdorf, in dem Robert Graves lebte und beerdigt ist.

In Deià gehst du nicht durchs Dorf, sondern weiter Richtung Cala Deià, der kleinen Bucht 200 Höhenmeter unterhalb. Steiler Abstieg, 30 Minuten. Unten: Kieselstrand, glasklares Wasser, zwei Restaurants direkt am Meer.

Rückweg: Du kannst mit dem Bus von Deià zurück nach Sóller (Linie 211, fährt etwa stündlich). Oder du wanderst denselben Weg zurück — ist im Herbstlicht abends besonders schön, aber doppelt anstrengend.

Wo du isst: in Cala Deià selbst gibt es Ca’s Patró March (gehoben, gut, teuer — Hauptgang 30-50 Euro) und das einfachere Restaurant am Strand. Beide nehmen sonntags und feiertags keine Reservierung — wer essen will, muss anstehen.

Saison-Hinweis Die Restaurants in Cala Deià schließen meist Anfang November für die Wintersaison. Vor Anfahrt anrufen oder bei Google Maps die aktuellen Öffnungszeiten prüfen.

Route 3: GR-221, Etappe Pollença — Lluc

Distanz: 18 km einfach Höhenmeter: 900 m hoch, 700 m runter Dauer: 6-7 Stunden Schwierigkeit: anspruchsvoll

Die Königsroute. Die GR-221 — auch „Ruta de Pedra en Sec” („Trockenmauerroute”) — ist Mallorcas Fernwanderweg, der über 130 Kilometer durch die ganze Tramuntana führt, mit acht Tagesetappen und Berghütten zur Übernachtung. Die Etappe von Pollença nach Lluc ist eine der längsten und eindrucksvollsten — und nur etwas für trainierte Wanderer.

Start: Plaça Major in Pollença. Mit dem Bus aus Palma erreichbar (Linie 340, Dauer 1 Stunde, fährt etwa stündlich). Du musst aber unbedingt vor sieben Uhr starten — wer um neun losgeht, kommt im Dunkeln in Lluc an.

Routenverlauf: Aus Pollença raus, der Beschilderung GR-221 folgend, durch die Vall de Ternelles. Dann steil bergauf zum Coll de Cuixac (700 m), weiter über Hochalmen mit alten Schäferhütten, vorbei an einer der ältesten Trockenstein-Eisgruben Mallorcas (cases de neu — wo früher Eis im Winter geerntet und dann im Sommer nach Palma transportiert wurde). Schließlich Abstieg zum Kloster Lluc.

Wo es schwierig wird: der Aufstieg zwischen Kilometer 5 und 8. Steil, im Sommer im Schatten der Felsen, im Herbst nicht zu warm aber anstrengend. Trinkwasser zwischen den Brunnen rar.

Wo es schön wird: auf den Hochalmen kurz vor Coll de Cuixac. Du hast Blick auf die Bucht von Pollença und gleichzeitig auf das Hinterland von Mallorca. Im Oktober blühen dort die letzten Herbstzeitlosen.

Wo du übernachtest: Lluc hat ein Kloster mit Pilgerunterkunft (Ca s’Amitger), 20-25 Euro pro Nacht im Mehrbettzimmer. Reservierung empfehlenswert. Es gibt auch Doppelzimmer ab 50 Euro. Frühstück inklusive.

Rückweg am nächsten Tag: mit dem Bus 354 von Lluc nach Pollença oder Palma.

Was du in jeder Tasche haben solltest

Egal welche Route, die Grundausstattung im Tramuntana-Herbst:

  • Wasser: zwei Liter, mindestens. Quellen sind rar.
  • Karte: nicht aufs Handy verlassen, Empfang ist nicht garantiert. Wanderkarten gibt es bei Editorial Alpina, Maßstab 1:25.000.
  • Stirnlampe: für den Fall, dass du später als geplant zurückkommst. Im Oktober wird es ab 19 Uhr dunkel.
  • Regenjacke: das Wetter kann in 30 Minuten umschlagen.
  • Festes Schuhwerk: keine Turnschuhe, keine Sandalen. Ich habe das schon zu oft gesehen.
  • Bargeld: Berghütten und Quellrestaurants nehmen oft keine Karte.

Was passiert, wenn du dich verläufst

Die Tramuntana ist nicht riesig, aber unübersichtlich genug, dass man sich verlaufen kann. Wenn das passiert:

  1. Nicht panisch werden. Setz dich hin, atme, schau auf die Karte.
  2. Bleib auf dem Weg, auf dem du bist — auch wenn er nicht der richtige ist. Querfeldgehen ist gefährlich, viele Hänge sind brüchig.
  3. Zurückgehen ist immer eine Option. Wenn du innerhalb der ersten 30 Minuten merkst, dass etwas nicht stimmt, geh zum Start zurück.
  4. Notruf: in Spanien ist es 112. Mit der Position (oder den letzten bekannten Wegmarkern) durchgeben.

In all den Jahren ist mir nichts Ernstes passiert, aber ich kenne jemanden, der in der Vall d’En Marc vier Stunden gebraucht hat, um zwei Kilometer zurückzufinden. Es kann jedem passieren.


Der Herbst ist kurz auf Mallorca. Die ersten Regen kommen oft Mitte Oktober, und ab November werden manche Pässe schwierig. Wer in dieser Zeit auf der Insel ist und ein bisschen wandern kann, sollte das nutzen — die Insel zeigt dann eine Seite, die im Sommer komplett verschwindet.

Was die Anfahrt aus Palma angeht: in den meisten Fällen ist das Auto die einfachste Option. Aber für wer flexibel ist — und für die Sóller-Route besonders empfehlenswert — ist die historische Eisenbahn nach Sóller eine schöne Alternative, weil die Anreise schon Teil der Strecke wird.

Fabian Holst
Reisejournalist

Lebt seit 2020 auf Mallorca. Schreibt über die Insel, die Touristen nie sehen.