Reisetipps

Palma an einem Sonntag — was offen ist und was nicht

Sonntags ist die Stadt anders. Hier ist eine ehrliche Karte für den Tag, an dem die Hälfte der Restaurants geschlossen hat.

Kathedrale La Seu von Palma de Mallorca am Wasser bei Tageslicht
Foto: Pixabay / Pexels

Wer am Sonntag in Palma ankommt — sagen wir, gegen elf Uhr morgens —, kann zwei Dinge erleben. Entweder eine Stadt, die gerade aufwacht, in der die Cafés langsam öffnen, in der die Leute zur Messe gehen oder von ihr kommen, in der man durch die Gassen der Altstadt wandern kann, ohne hektischen Lieferverkehr.

Oder: man steht ratlos vor zugeklappten Rollläden, sucht erfolglos einen geöffneten Supermarkt, und stellt fest, dass das Restaurant, das einem empfohlen wurde, gerade dieses eine Wochenende geschlossen hat.

Welche der beiden Versionen man erlebt, hängt vom Wissen ab. Hier ist ein Versuch, das zu sortieren.

Was sonntags geschlossen ist

In Palma — und auf ganz Mallorca — gilt: Sonntag ist immer noch ein anderer Tag als Samstag. Das wird in den letzten Jahren weicher, aber die Grundregel hält:

  • Die meisten kleinen Geschäfte und Boutiquen öffnen sonntags nicht. Auch nicht in der Hochsaison.
  • Supermärkte (Mercadona, Eroski, Lidl) sind sonntags geschlossen, mit Ausnahme einiger weniger Filialen in touristischen Zonen, die bis 14 Uhr öffnen. Erkundige dich vorher.
  • Apotheken: nur die diensthabende Notfallapotheke (apotheke de turno) ist auf — eine Liste hängt an jeder Apothekentür.
  • Banken: zu.
  • Mercados (Markthallen): der zentrale Mercat de l’Olivar in Palma ist sonntags ebenfalls zu. Sant Joan und Santa Catalina haben einige Stände bis Mittag offen.

Was sonntags offen ist:

  • Die meisten Restaurants und Cafés (aber: viele machen Sonntagabend Ruhetag, oder den ganzen Sonntag — schau bei Google rein vor dem Hingehen)
  • Museen (mit Ausnahme von Montag, ihrem klassischen Ruhetag)
  • Die Kathedrale (aber zu den Messezeiten ist der touristische Eingang gesperrt)
  • Kioske, viele Bars, Tankstellen
  • Die großen Einkaufszentren (Porto Pi, FAN) sind seit einigen Jahren auch sonntags von 10 bis 21 Uhr geöffnet — was viele lokale Händler ärgert, aber praktisch ist, wenn man dringend etwas braucht

Wo du sonntags frühstückst

Drei Adressen, die ich an einem Sonntag mit gutem Gewissen empfehle:

Ca’n Joan de S’Aigo — eine Institution. Existiert seit 1700 (kein Tippfehler), berühmt für ensaimadas — die mallorquinischen Schneckenkuchen aus Hefeteig — und quartos, eine Art lokales Biskuit. Der Innenraum sieht aus wie ein Café aus einem anderen Jahrhundert: Marmortische, Spiegel, Holzvertäfelung. Drei Standorte in Palma, der älteste in der Carrer Can Sanç im historischen Zentrum.

Ich gehe morgens um neun, dann ist es noch leer. Ab elf wird es voll. Ein café con leche mit ensaimada kostet 4 Euro.

Forn de Pa de S’Hort — keine Touristenadresse, sondern eine Bäckerei in Santa Catalina, die sonntags ab acht Uhr öffnet. Coca de trampó (mit Tomaten und Paprika), empanadas, frisches Brot. Stehbar mit drei Plätzen, mehr nicht. Carrer de la Indústria, kleine Schlange am Sonntagvormittag.

Bar Cristal — eine Bar in der Calle Bonaire, gleich neben dem Mercat de l’Olivar (auch wenn der zu ist). Lokale, frühstücken hier pa amb oli (Brot mit Olivenöl, Tomate, Käse oder Schinken) für 6 Euro. Lautes Spanisch, kein Englisch, kein Tourismus. Ich habe selten besseres Frühstück gehabt.

Der sonntägliche Spaziergang

Wenn du nichts geplant hast und einfach gehen willst, hier ist eine Route, die sonntags besonders gut funktioniert, weil keine Lieferwagen die engen Gassen blockieren:

Start: Plaça d’Espanya (gut mit Bus oder Auto erreichbar, viele Parkhäuser).

Von dort durch die Carrer de Sant Miquel Richtung Süden — die alte Handelsstraße, sonntags fast leer. An der Plaça Major vorbei (die geht sonntags noch ohne Marktstände), weiter durch die Carrer de Colom, bis du auf die Plaça de Cort stößt — der zentrale Platz mit dem Rathaus und der berühmten 700-jährigen Olive, die da seit 1989 gepflanzt ist (vorher in einem Bergdorf, dann hier umgesetzt).

Dann links abbiegen in die Carrer de la Cadena, das ist eine kleine Gasse, die zu den Banys Àrabs führt — den arabischen Bädern aus dem 10. Jahrhundert. Eines der wenigen erhaltenen Zeugnisse der maurischen Zeit. Eintritt 3 Euro, geöffnet auch sonntags 9-19 Uhr.

Weiter Richtung Kathedrale. Sonntags vor 12 Uhr ist Messe — der touristische Eingang ist dann zu, aber du kannst bei der Messe selbst rein (kostenlos, aber: kein Fotografieren, ruhig sein). Wer es lieber profan mag: ab 14:30 Uhr ist der reguläre Besuch wieder möglich, 8 Euro.

Hinter der Kathedrale liegt der Parc de la Mar, ein angelegter Park am Wasser. Setz dich auf eine der Bänke, schau auf die Stadtmauer und die Kathedrale, das ist sonntags der ruhigste Ort der Stadt.

Lokaler Tipp Hinter der Kathedrale, bei der Plaça de la Almoina, gibt es einen kleinen Springbrunnen. Sonntags treffen sich hier um 13 Uhr ältere Mallorquiner zum Boule-Spielen. Reine Beobachtungs-Empfehlung — sich aufdrängen wäre unhöflich, aber zuschauen ist es wert.

Mittagessen am Sonntag

Sonntags gehen Mallorquiner traditionell mit der Familie essen — meist von 14 bis 17 Uhr, lange, ausgiebig. Wenn du das auch machen willst, brauchst du eine Reservierung, weil die guten Adressen voll sind.

Drei Orte, die ich kenne und mag:

Restaurante Ca’s Patró March in Cala Deià — wenn du raus aus Palma willst. 30 Minuten Fahrt, am Wasser, frischer Fisch. Reservierung dringend nötig. Hauptgang 25-40 Euro.

Bar España in der Calle del Mar — eine alte Tapas-Bar in Palma selbst, sehr lokal, sonntags voll. Tapas ab 4 Euro, ohne Reservierung schwierig.

Sumaq in Santa Catalina — peruanisches Restaurant mit hervorragendem Ceviche. Nicht traditionell mallorquinisch, aber wenn du Lust auf etwas anderes hast, lohnt es sich. Mittagsmenü um 22 Euro.

Der Nachmittag

Sonntagnachmittag in Palma hat zwei Geschwindigkeiten: ruhig im historischen Zentrum, lebhaft am Hafen und in Santa Catalina.

Wenn du Ruhe willst: Hospital Sant Pau ist offen (ein neoklassizistischer Klosterkomplex, kostet 4 Euro Eintritt, fast keine Touristen am Sonntag). Oder Schloss Bellver — das einzige runde Schloss Spaniens, oben auf einem Hügel über der Stadt, sonntags von 10-19 Uhr offen, 4 Euro. Aussicht über die Bucht.

Wenn du Leben willst: der Paseo del Born und die Plaça del Mercat sind sonntags voll, viele Familien, Eisdielen, Straßenmusiker. Cafés mit Außenterrassen.

Der späte Abend

Sonntagabend wird in Palma früher ruhig als an anderen Tagen. Restaurants schließen oft um 22 Uhr, manche sogar früher. Bars sind länger offen, aber nicht alle — Montag ist für viele der wirkliche Ruhetag.

Eine Adresse, die immer auf hat: L’Antiquari in der Calle Arabí, eine Weinbar mit über 200 Weinen, kleine Tapas-Karte, ruhige Atmosphäre. Geht bis ein Uhr.


Wer Sonntag in Palma richtig anfängt — also später aufsteht, langsamer frühstückt, weniger plant — wird die Stadt anders erleben als an anderen Tagen. Es ist der einzige Tag der Woche, an dem du an der Kathedrale vorbeigehen kannst, ohne dass dir jemand eine Bootstour anbieten will. Das hat seinen Reiz.

Was die Bootstouren angeht: die Anbieter am Hafen haben sonntags meistens die gleichen Touren wie unter der Woche im Programm — aber natürlich weniger Andrang. Wer also an einem Sonntag das Wasser sucht, statt durch die Altstadt zu wandern, findet sonntags meist bessere Bedingungen als an Samstagen.

Fabian Holst
Reisejournalist

Lebt seit 2020 auf Mallorca. Schreibt über die Insel, die Touristen nie sehen.